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She’s here… she’s here again…… um sich nach ihrer großen schöpferischen Pause endlich wieder zurückzumelden.



Die erste Singleauskopplung des jüngst angekündigten neuen Kate Bush Albums „Aerial" mit dem Titel „King of the Mountain" erlebte am 21. September 2005 ihre Weltpremiere im englischen Radio auf BBC2. Auch wenn wir uns bis zur Veröffentlichung der Single (angedachte B-Side: das bislang unveröffentlichte, heiß ersehnte „Sexual Healing"-Cover) noch ein wenig gedulden müssen, wage ich aufgrund der Radiopremiere schon mal folgende Prognose: die hohen Erwartungen, gemessen an der Qualität von Kates früheren Werken, werden nicht enttäuscht, auch wenn sich die Stärken des Songs erst nach mehrmaligem Hören herauskristallisieren. Was fast immer ein gutes Zeichen ist.

Mein erster Eindruck der scheinbar luftig-leichte Traumverlorenheit von „King of the Mountain" trügt, so wie einen das Wetter im Gebirge zuweilen narren kann (… habe ich mir einmal von einer ambitionierten Bergwanderin erzählen lassen…). Hypnotisch, unwiderstehlich zieht sich jener leise Pulsschlag durch den gesamten Song, der meine Phantasie vorwärts treibt, beharrlich ansteigend - hinauf auf den Berg. Steigen, langsam, stetig… unbeirrbar folge ich meinem Pfad. Kates Stimme umschweift mich wie ein diffuser Windhauch, eine verspielte Sylphe, die mich begleitet, um mir ihre Geheimnisse ins Ohr zu wispern.

Ich überwinde die Baumgrenze. Habe den Gipfel fest im Blick. Betrete das Schneefeld. Die Luft ist kalt und klar. Der Blick zurück ins Tal raubt mir den Atem… aerial…

Erstaunlich, wie hoch ich schon bin! Kraftvoll, sturmtrunken schwillt der Gesang an, als ich den Gipfel erreicht habe – gleichsam nun selbst eine Königin in meinem Triumph, den Kopf in den Wolken und die Füße im Schnee.

Wie schnell wird aus dem Wind ein Sturm? Wie schnell ziehen die Wolken über mich hinweg? Ist die Zeit eine unveränderliche Größe? Und warum um alles in der Welt wurden uns Menschen - passend zu unseren großartigen Gedankengängen, Träumen und Ideen - keine Flügel mitgegeben?

Kate ist noch immer eine Meisterin darin, Geschichten hinter der Geschichte zu erzählen. Mit den eigentlichen Lyrics kann ich offen gestanden wenig anfangen. Wesentlich inspirierender finde ich die wunderbare Kinderzeichnung, die für das Singlecover ausgewählt wurde: Ein kleiner König auf einer Bergspitze mit weit ausgebreiteten Armen und einem Lächeln, das die ganze Welt beglückt… sogar an die goldene Krone hat der kleine Künstler gedacht!

Musikalisch gefallen mir besonders die Tiefe und Dichte von „King of the Mountain", die gelungene Steigerung der Spannung, die kraftvollen Drums, der charakteristisch-markante Bass, und selbstverständlich die gesangliche Leistung. Stilistisch erinnert mich das Lied ein wenig an Kates Version von „Rocket Man" (von Elton John), und auch an die fruchtig-bunten „Fruitopia"-Kompositionen. „Top of the City", „Moments of Pleasure" und „Rocket’s Tail" fallen mir außerdem ein. Und so gelingt Kate Bush mit „King of the Mountain" das Kunststück, auch nach zwölfjähriger Pause eine Brücke zu ihrem früheren Schaffen zu schlagen. Macht unbedingt Appetit auf mehr, und versüßt die Wartezeit auf das neue Doppelalbum „Aerial".

Beate Meiswinkel


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Einleitung

Als der Betreiber dieser Website mich bat, einen Beitrag  zu leisten,  wusste ich sofort, worüber ich schreiben würde. Denn schon lange hege ich den Wunsch, mich einmal mit dem Album von Kate auseinander zu setzen, welches sich mit noch einem Werk von ihr den Platz des missverstandenen Meisterwerkes teilt. Welches andere Werk ihm da den Platz streitig macht, dazu später mehr.

Ich  will mich, wie gesagt, dem meiner Meinung nach immer noch verkannten Album The Red Shoes widmen. Daher trägt mein Beitrag zu dieser schönen Homepage auch den Titel:



1993 kamen sie auf die Welt, The Red Shoes von Kate Bush. Lange war dieses Album erwartet worden, länger als je eines ihrer Alben zuvor. Es wurde viel geredet im Vorfeld. Wieder einmal. Es gab wilde Gerüchte und Spekulationen, aber als das Album schließlich erschien, wurden alle Vorstellungen, die man sich bis dato durch die vielen Andeutungen gemacht hatte, ad absurdum geführt. Ich zumindest hätte nie gedacht, dass Kates erstes Album nach The Sensual World so klingen würde.

Nun mag mancher vielleicht sagen, das sei ihm bei allen Alben so gegangen und zu einem gewissen Grad, kann ich die sogar nachvollziehen und bestätigen. Dennoch gibt es für mich, wie oben schon erwähnt, nur zwei Alben, bei denen das, was man erwartete, aufgrund der vorangegangenen Arbeiten und das was schließlich als Resultat aus den Boxen kam in einem besonders großen Gegensatz stand. Das erste heißt The Dreaming und das zweite eben The Red Shoes. Und schon alleine das macht The Red Shoes für mich so außergewöhnlich. Nach so langer Zeit schaffte Kate es noch einmal, so zu überraschen wie damals, als sie ein Album auf den Tisch legte, dessen musikalische wie lyrische Tiefe und Genialität damals fast alle Musikkritiker und auch das Publikum völlig überforderte und welches die folgenden zweiundzwanzig Jahre kein bisschen haben altern lassen, wobei dies nicht die einzige Parallele ist. Aber ich möchte die beiden Alben hier nicht vergleichen.  Das würde den Rahmen doch etwas sprengen. Vergleichen kann ja jeder selber, um herauszufinden, wie ich darauf komme. Ich möchte mich ausschließlich den Roten Schuhen widmen. Ich verwende bewusst immer wieder die deutsche Übersetzung des Titels, denn in der Tat, wie auch schon die Überschrift meines Artikels andeutet, hat  dieses Album für mich viel gemeinsam mit neuen Schuhen.

Das Album war zunächst für mich eine Erleichterung. Ich habe, ehrlich gesagt, gebangt, wie es nach The Sensual World mit Kate weitergeht. Nicht, weil mir TSW nicht gefallen hätte, nein, im Gegenteil, aber ich war zu dem Zeitpunkt noch viel Jünger als jetzt und habe gedacht, die Charts sind wichtig und habe Kate natürlich einen Charterfolg gewünscht. Besonders was die Singles angeht. Und so, wie TSW damals klang, war ich zumindest besorgt, ob sie das mit dem neuen Album erreichen würde. Als ich The Red Shoes dann zu Ohren bekam, war es meines Erachtens genau das Album, was ich Kate gewünscht hatte. Obwohl es durch den Titel ein Konzept vermuten ließ, war es auf den ersten Blick doch eher ein Sammlung von Songs, denn ein Konzeptalbum. Es schien für mich viel bodenständiger und realitätsbezogener als seine Vorgänger. Kate zum anfassen, sozusagen. Wie neue Schuhe eben, die man gerade aus dem Regal des Ladens genommen hat. Nicht eine sinnliche Welt, keine Hunde der Liebe, kein Löwenherz, nein, rote Schuhe.

Und ich habe sie angezogen und bin damit gelaufen. Wie viele andere wohl auch, denn das Album stieg im UK auf Platz 2 ein. Ja, man geht los, schaut sich die Schuhe an, sie gefallen einem optisch, man läuft ein paar Schritte damit, klappt ganz gut, man kauft sie und ab nach Hause. Man freut sich riesig. Kate hat ein neues Album gemacht. Die anderen haben superb gepasst, warum sollte es jetzt anders sein. Da war zwar mal was, mit einem anderen Paar, aber daß hat sich ja auch als hervorragend herausgestellt. Oder?

Gut, mir ging es genauso. Ich zog die roten Schuhe an und erfreute mich an ihnen. Ich will es kurz machen. Ich fand das Album gut. Allerdings nicht so gut, wie zum Beispiel Hounds of Love oder das schon erwähnte The Dreaming. Mit anderen Worten, es waren nicht unbedingt meine liebsten Schuhe.

Und dann las ich die vielen Verschmähungen dieses Albums. Ich hätte nie gedacht, dass die Reaktionen auf dieses Album derart heftig ausfallen würden, ja, dass sich Leute sogar persönlich beleidigt fühlen würden. Und da ich immer aufhorche und vorsichtig werde, wenn etwas großen Sturm im Guten, wie im Negativen auslöst, habe ich begonnen, meine Schuhe mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und ich sah vieles von dem was bemängelt wurde plötzlich vor mir.

Natürlich machte sich auch bei mir eine leichte Enttäuschung breit. Kate hatte nach all den perfekten Alben, ein mangelhaftes herausgebracht. Oder? Ich suchte weiter. Ich begann mich mit diesem Album mehr zu beschäftigen, als mit einem anderen Album. Ich hatte plötzlich Fragen an das Album. Ich beschäftigte mich mit seiner Entstehung, mit seinem Umfeld und immer, immer wieder mit seinem Inhalt. Und wenn ich zurückdenke, dann habe ich das mehr oder weniger mit allen Alben von Kate gemacht. Nur bei anderen habe ich mich schneller zufrieden gegeben. Oder es war leichter die Antworten zu finden. Und ich konnte mich dem normalen Konsum der Musik wieder hingeben. Nur hier, wo es plötzlich nicht mehr so einfach war und der Prozess auch nicht ganz so automatisch ablief, wurde er mir plötzlich bewusst. Und ich bemerkte plötzlich, wie viel Spaß er mir machte. Denn plötzlich taten sich mir Türen an diesem Album auf, die mir nicht nur vorher verschlossen waren, nein, die ich noch gar nicht wahrgenommen hatte. Und mir fielen Dinge auf, die von Genialität, Tiefe und Weisheit nur so strotzten. Die Dinge, die ich vorher als Makel gesehen hatten, erschienen plötzlich in einem ganz anderen Licht und ich bin heute der Meinung, sie dürften gar nicht anders sein, als sie auf diesem Album nun einmal sind*. Mit anderen Worten, mir passen die Roten Schuhe nun wie angegossen. Sie sind sogar zu meinem Lieblingspaar geworden, denn ich habe sie mir eingelaufen. Mehr als alle anderen Alben. Sie haben mir nicht nur über das Album selbst viel eröffnet, sie haben mir sogar neue Aspekte der anderen Alben gezeigt.

Warum ich diesen Artikel schreibe liegt nun auf der Hand. Ich möchte allen, denen die Schuhe nach einer Weile oder vielleicht sogar gleich zu Anfang ein paar gehörige Blasen bereitet haben und die sie deshalb enttäuscht in den Schrank gestellt haben („ganz hübsch aber unbequem“) durch diesen Beitrag eine Anregung geben, sie vielleicht noch einmal hervor zu holen und sich mit ihnen noch einmal zu beschäftigen. Ob man sich die Mühe macht, muss natürlich jeder selber wissen. Für mich hat es sich jedenfalls sehr gelohnt. Kate Bush ist eine Person, von der ich glaube, dass sie sehr wichtige Dinge sagt. Und es liegt an mir bzw. an jedem einzelnen selbst, sie zu verstehen und nicht an ihr, sie jedem bequem zugänglich zu machen.

Ich hoffe, ich konnte das, was ich mir vorgenommen habe, nämlich das Interesse an dem Album The Red Shoes neu zu erwecken, zu mindest bei einigen erreichen. *Ich habe bewußt darauf verzichtet konkrete Beispiele für meine „Entdeckungen“ zu nennen, da ich keinen bei dem Versuch, die roten Schuhe „einzulaufen“ beeinflussen will. Wer dennoch Näheres wissen will fragt mich am besten im Forum.

Danke fürs Lesen und auf Wiedersehen.

Euer

Red Bruce

 
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